ein trauriger Trailhead in Wertheim

Wanderweg Baden-Württemberg

Ordentliche Informationen zu diesem Weg? Schwierig; Für diesen Fernwanderweg zeichnet sich niemand so richtig verantwortlich: Während ein Abschnitt in die Zuständigkeit des Schwarzwaldvereins fällt, präsentiert ein anderer einen eigenständigen Hauptwanderweg des Schwäbischen Albvereins. Und so erschöpften sich meine vorab zusammengetragenen Informationen im Wesentlichen hierauf:

Auf rund 560 Kilometer und 13 Höhenkilometer gelangt der Wanderer vom Nordosten in den Südwesten Baden-Württembergs – vom tauberfränkischen Wertheim an Main und Tauber bis nach Lörrach im Rheinknie am Fuße des Schwarzwalds. Anlässlich des 25 jährigen Bestehens des Landes Baden-Württemberg im Jahr 1977 wurde der Weg ein Jahr später eröffnet, und präsentiert auf Grund seines diagonalen Verlaufs durch eben jenes Bundesland eine Vielzahl unterschiedlicher und sehenswerter Regionen.

Zu diesen Regionen gehören das Tauberland, die Hohenlohe, der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, der Schurwald, die Fildern, der Naturpark Schönbuch, die Region Neckar-Alb, der Trauf der Schwäbischen Alb, die Baarhochmulde, sowie der Schwarzwald. Auch werden zahlreiche touristisch und kulturell besuchenswerte Städte erreicht, jedoch sind diese für mich … uninterresant.

 


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Internet & Gedrucktes

Wikipedia: Stand 11/2022 finde ich im Wikipedia-Artikel zu diesem Wanderweg erschreckend viele Falschaussagen. Allerdings habe ich aufgegeben, bei Wikipedia mein Wissen einfließen lassen zu wollen: Dort gilt z.B. ein „ich bin es gelaufen“ weniger als das, was dort bereits unbelegt (!) geschrieben steht – selbst wenn man eine solche Webseite vorweisen kann, die belegt dort gewesen zu sein, und mit Leuten diskutiert, die gar nicht wandern; Auch scheint Reverten im Sekundentakt (also völlig ohne den Inhalt erfasst haben zu können!) ein Sport derer zu sein, die viele Bearbeitungen für noch mehr Adminrechte und Ego-Streicheleinheiten benötigen.

Bücher: 2020 erschienen zwei gelungene Bücher zu diesem Fernwanderweg – jeweils eines für die nördliche, und eines für die südliche Hälfte (Michael Gallasch: Main-Neckar-Rhein-Weg, GWP Naturbuchverlag, ISBN 9783948860035 & 9783948860042); Neben zahlreichen richtig guten Informationen zum Fernwandern im allgemeinen dürften diese die ultimative Quelle zum Weg sein, an die auch meine Aufarbeitung hier nicht heranreichen wird.

Etappe 07: Blick vom Einkorn

Bereich „Schwäbischer Alberein“

… wie will er denn nun genannt werden? Wanderweg Baden-Württemberg, HW 3, Hauptwanderweg 3, Main-Neckar-Rhein-Weg – all dies ist in diesem Abschnitt korrekt, offiziell, und kommt auch bei der Beschilderung in munterer Abwechslung zur Anwendung. Beim Wegzeichen hingegen zeigen sich echte Bemühungen um Einheit (der rote Strich eines Hauptwanderwegs zzgl. einem grünen Baum), doch durchgängig ist auch dies nach 40 Jahren noch nicht. Die Palette der Beschilderung reicht von „excellent“ bis hin zu „nicht existent“, und an zahlreichen Stellen finden sich völlig veraltete Entfernungsangaben. Der Schwäbische Albverein betreut den Bereich von Wertheim bis vor die Tore des Schwarzwalds bei Villingen – rund ¾ der Wegstrecke.

der HW 3 beim Schwäbischen Alberein

Etappe 21: Blick vom Hochfirst

Bereich „Schwarzwaldverein“

Der Schwarzwaldverein verliert auf seiner Webseite Stand 2022 nicht eine einzige Silbe über diesen Fernwanderweg. Auch existiert in deren Gebiet keine Beschilderung (mehr?). Doch er folgt über weite Strecken einfach bereits vorhandenen Wegen des Schwarzwaldvereins, so z.B. dem Ostweg, dem Querweg Schwarzwald-Kaiserstuhl-Rhein, dem Mittelweg, sowie dem Querweg Freiburg Bodensee; Und ab dem Titisee ist sogar ein ein gutes Stück Ostvariante des Westwegs als Garant für eine lohnende Wanderung mit an Bord.

So manches Kartenmaterial deklariert auch in diesem Abschnitt den Weg unter seiner Albvereins-Bezeichnung „HW 3“ – obgleich dieser schon vor den Toren des Schwarzwaldes endete… Und entgegen gefundener Beschreibungen führt dieser Wanderweg keineswegs über den Feldberg – vielmehr wird mit dem Hochkopf und Herzogenhorn lediglich die Feldbergregion bzw. das Naturschutzgebiet Feldberg erreicht.

Warum?

Kaum Informationen, Multi-Zuständigkeit, kein durchgängiges Wegzeichen (sowie +140 Kilometer ganz ohne Beschilderung!), stärker beworbene eigene Strecken der Regionen mit oft identischem Verlauf, totschweigen beim Schwarzwaldverein, gänzlich abwesendes Marketing, Falschinformationen bei Wikipedia – und obendrauf ein schwacher Name, der so gar nicht zum Wandern einlädt; Ein marketingtechnischer Supergau, den wirklich niemand läuft. Warum ich mir diesen Weg bewusst herraussuchte?

2014 wanderte ich den Hauptwanderweg 5. Jener verläuft vom Nordwesten in den Südosten Baden-Württembergs, und präsentiert somit den Gegenspieler zum Hauptwanderweg 3. Und da mir schon der 5er ausgeprochen gut gefiel… Es ist etwas Besonderes eben nicht „nur“ in einer Region – wie z.B. „Schwarzwald“ – zu wandern, sondern eine Region gänzlich hinter sich zu lassen und zu merken: Man ist plötzlich wo anders, man hat eine Region komplett durchschritten. Und man lernt seine Heimat nochmals eine ganze Ecke besser kennen; Denn auch dieser Weg führt nahe meiner Haustüre vorbei.

Und so geriet zunächst der Hauptwanderweg 3 in meinen Fokus; Und da der Schwarzwald eigentlich auch ganz nett ist, spendierte ich diesem noch ein Upgrade zum Wanderweg Baden-Württemberg.

Rückblende

Entgegen meiner 2014 gemachten Erfahrung auf dem Hauptwanderweg 5 musste ich dieses mal feststellen: Ja, großartig ist es, dieses Bundesland; Und ohne Frage: Eine absolut empfehlenswerte Wanderung! Aber… ich kenne mittlerweile wirklich vieles. Es war überraschend wenig dabei, was ich nicht bereits von anderen Touren und Ausflügen kannte. Der Blick auf den Streckenverlauf vorab ließ mich das – warum auch immer – nicht vermuten.

Vielleicht ist es an der Zeit meinen Aktionsradius zu vergrößern.